Gestatten: Ich – das Problem

Was sind das für Leute, die Dresden in Verruf bringen? Das wird ja nicht erst seit den misslungenen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit im ganzen Land gefragt. Was ist also das Problem – dieser Stadt, dieser Zeit? Die Antwort ist simpel und schmerzhaft: Das bin ich. Ich bin eine von den 500.000, die am Montag nicht… Read more »

Ganz normal

Gestern war die schlimmste Nacht meines Lebens. Und das sage ich, obwohl es eine Nacht in meinem Leben gab, in der mich ein Irrer auf einer winzigen thailändischen Insel bewusstlos gewürgt hat. Die gestrige Nacht war schlimmer – auch, weil sie wie über Nacht Normalität geworden ist. 18:30 Uhr. Das Kind schreit und reibt sich die… Read more »

Alles richtig machen sollenmüssenwollen, Vol. 2: Heiße Luft

Liebe Außenwelt, Wir müssen reden. So kann es nicht weitergehen. Ich weiß nicht, wer dir die Information gegeben hat, dass ich meine Selbstbestimmung und Teile meiner Persönlichkeitsrechte nach der Geburt im Krankenhaus vergessen hätte, aber: Diese Information ist falsch. Seit der Geburt meiner Tochter (ja, sie kam dann doch irgendwann auf die Welt und nein,… Read more »

„Ist sie schon da?“

NEIN. Unsere Tochter ist auch an Tag vier nach dem errechneten Termin nicht zur Welt gekommen. Was mich in die merkwürdige Lage bringt, all den lieben Menschen da draußen, die mitfiebern, neugierig und sicher ähnlich ungeduldig sind wie wir, zu sagen: HÖRT AUF NACHZUFRAGEN! Bitte. Aktuell habe ich das Gefühl, wir sollten über eine Sekretärin… Read more »

Wie war das eigentlich 1930?

Seit ich das erste Mal überhaupt von Nazideutschland gehört habe, plagt mich die Frage: Wie hat sich das angefühlt, etwa 1930 in Deutschland? Welche Vorboten des Schreckens haben die Menschen übersehen oder bewusst ausgeblendet? Und: Wie haben sie das gemacht? Mit der einzigen Oma, die ich noch hatte, habe ich darüber nie gesprochen. Am Tag… Read more »

Facharzt für juristische Absicherung

Mit 24 Stunden Abstand und nach dem ausgiebigen Besuch einer menschenleeren Saunalandschaft mit Eiswürfel spuckendem Pinguin (ja, das ist eine dringende Empfehlung!) bin ich wieder ruhig genug, um mal laut die Welt zu fragen: Was zum Geier machen die meisten Frauenärzte eigentlich beruflich? Ich tippe auf: eine Weiterbildung zum Rechtsanwalt in eigener Sache. Das Phänomen ist… Read more »

„Ach so? Okay…“

Braucht das Internet wirklich noch so einen bekloppten „Wie mein Geburtshilfe-Kurs gelaufen ist“-Text? Garantiert nicht. Aber ich brauche ein Ventil. Nach zweieinhalb Tagen unter werdenden Eltern, mit Hebamme, Hebammenschülerin, Plüschbecken, Himbeerblättertee und Sitzbad-Anleitung, sogar dringend. Wie so vieles in meinem Leben beginnt die Geschichte mit einem „Eigentlich wollte ich gar nicht…“, denn: Eigentlich wollte ich… Read more »

Der Problem-Sittich

Er quatscht, pausenlos, meistens aber nur seinen eigenen Namen. PacoPaco. GuterGuter. SüßerSüßer. Er gwäht. Ein Schrei – GWÄH! – den man kaum nachmachen und der vermutlich Tote wecken kann. Er spaziert über den Teppichboden und kackt. Er ist Sextourist, immer auf der Suche nach einer helfenden Hand. Ständig, ständig gwäht, pacot oder fickt er um… Read more »

Sprachlos

Zwei Menschen machen nebeneinander her hochkonzentriert jeder „Seins“ – in der Zeitung blättern, auf den Laptop starren, Wäsche aufhängen, den Vogel füttern, Playstation spielen. Nur an den mahlenden Kiefermuskeln merkt man: Hier wird etwas wegignoriert, verdrängt, totgeschwiegen. Seit Wochen befinde ich mich in meiner persönlichen Schweigespirale und bin darüber einfach nur: sprachlos. Für mich genommen habe… Read more »

Fehlt es dir eigentlich?

Nachdem ich auf einen weißen Streifen gepinkelt und der sich in einen positiven Schwangerschaftstest verwandelt hatte, ging ich zum Fenster, öffnete es, schwang meinen Arsch auf die Fensterbank und zündete mir eine Zigarette an. Erst, als ich den Stummel vier Stockwerke hinab auf die Straße gefeuert hatte, rief ich meinen Freund an. „Fehlt es dir… Read more »

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  • Beziehungs-Weise: Das L-Wort

    Gestört. Beziehungsunfähig. Das bin ich. So weit die übliche Selbstauskunft Ü30. Ich würde jetzt noch kurz erklären wollen, warum ein „Ich liebe dich“ in mir mächtigen Fluchtreflex weckt. Wenn es um Liebe geht, denke ich an Groucho Marx, genauer gesagt an seinen „Resignation Joke“ – auf Deutsch ungefähr: Ich möchte nicht Mitglied in einem Club sein,… Read more »

  • Dresden durch

    Es ist was faul in Dresden. Und zwar mehr als nur Pegida. Als vor acht Monaten Nazis und „besorgte Bürger“ angefangen haben, Lutz Bachmann hinterherzurennen (auf der Straße und bei Facebook), um – den eigenen Besitz stets sorgenvoll im Blick – gemeinsam gegen jeden und alles zu hetzen, habe ich mich gefragt: Was bedeutet das… Read more »

  • Einsicht. Der erste Schritt zur Besserung.

    Sich Hilfe suchen. Das ist beim besten Willen nicht einfach. Denn vor diesem Schritt steht ein viel größerer, noch schwierigerer Schritt. Nämlich die Einsicht. Man muss sich zu allererst einmal eingestehen, dass es das Loch, in das man da gerade gestürzt ist, überhaupt gibt. Und dabei ist es vollkommen rille, wie man dieses Loch betitelt…. Read more »

  • Die Gästin

    Drei Tage lang hatte ich eine Lebensgefährtin: Valentina. Weil die eigentliche Katzenmama auf ein Ska-Festival fahren wollte, hat sie per Facebook eine Babysitterin fürs halbstarke Katzenkind gesucht. Da musste ich mich natürlich mit einem hysterischen „Ich! Ich! Ich!“ freiwillig melden. Und bekam: drei sehr wechselhafte Tage, eine Tanzlektion und einen umdekorierten Kleiderschrank. Am ersten Tag… Read more »

  • Rastlose Reisende. Mein Leben in Umzügen.

    Wenn es eine Konstante in meinem Leben gibt, dann ist es der Umzug. Früher war diese Konstante das Haus meiner Eltern. Ich würde auch gern in dieses Nest zurückkrauchen, darf ich aber nicht. Mutti hat nein gesagt. Ich hätte diese Konstante gern zurück. Eine Konstante, die mich nicht wahnsinnig macht. Eine Konstante, die eine richtige… Read more »

  • Was isn mit you, ey?

    Was ich werden will, wenn ich mal groß bin? Auf diese Frage hatte ich noch nie eine berufsspezifische Antwort. Ich wollte als Kind weder Tierärztin noch Krankenschwester werden. Auch Feuerwehr und Polizei kamen für mich nie in Frage. Schließlich bin ich eine Lady und mache gerne Ladysachen. In Pfützen herum springen zum Beispiel. Oder mich… Read more »

  • Schwimmbad

    Der Coin rastet mit einem plastischen Klacken ein, um einen Moment darauf drei Zentimeter weiter erdkernwärts von einer metallenen Schiene aufgehalten zu werden. „Welche Abenteuer der wohl da drin erlebt hat?“ frage ich mich, pflücke den orangefarbenen Coin aus seiner Halterung und folge der freundlichen Aufforderung des grünen LED-Pfeiles zum Durchschreiten des Drehkreuzes. Schallendes Kindergelächter… Read more »

  • Heiraten mit 71

    „Wir sollen nicht, wir müssen nicht, wir brauchen nicht, wir wollen ganz einfach heiraten!“ Das stand auf der Einladung, die ich vor wenigen Wochen von meiner Tante bekommen habe. Meiner Tante, die eigentlich nicht meine Tante, sondern die beste Freundin meiner Mutter ist. Die ich aber per „Tante“ relativ früh in meine Familie eingemeindet habe,… Read more »

  • Ist darauf Verlass? Oder kann das weg?

    Rummskrachpeng. Und da ist er wieder. Schon wieder. Dieser berühmte Tag, an dem man sich erneut fragt: „Bin ich?“. Ja, natürlich bist DU antwortet dann das ICH – die Frage, die gestellt werden sollte muss doch lauten: „Was und wie viel kann denn davon jetzt eigentlich erstmal weg?“. Wenn man das eigene Dasein als eine… Read more »

  • „Mimimimimi!“

    In dieser Woche bewirbt sich Dresden einmal mehr mit Nachdruck um die Position „Real-Life-Schilda„. Das stark geschminkte (und mehr?) Gesicht dieser Bewegung: Regine Töberich, Architektin, Investorin und die Frau, die an der Elbe unbedingt Luxuswohnungen – Marina Garden – bauen möchte. Weil der Stadtrat nicht so spurt, wie sie das möchte, hat sie sich zunächst… Read more »