Tag 963: „Darf ich mal gucken?“


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Unfassbarerweise ist Emma jetzt schon seit fast 963 Tagen Teil meines Lebens – obwohl es mir gleichzeitig so vorkommt, als wäre sie es erst seit gestern und schon immer. Was sie mitgebracht hat? Unter anderem ein neues Bedürfnis nach Solidarität.

Das hatte ich jetzt nicht unbedingt mein ganzes Leben lang. Ganz im Gegenteil: Die meiste Zeit war ich mir sicher, dass ich „es“ (= alles) irgendwie alleine schaffen müsste. In den vergangenen 963 Tagen ging das nicht mehr – und ich musste (heute empfinde ich es eher als „durfte“) lernen, dass „es“ ( = schon wieder alles) gemeinsam nicht nur besser klappt, sondern auch sehr viel mehr Freude macht.

Gelernt habe ich das auch von meinem großen Vorbild: der witzigen Miniatur-Ausgabe ihrer Eltern, die ständig Videos von sich machen lässt, um schon nach wenigen Sekunden vor lauter Neugier ein aufgeregtes „Darf ich mal gucken?“ in die Kamera zu spucken.

Dabei ist sie natürlich viel mehr als eine 92 Zentimeter große Ausgabe ihrer Eltern. Sie kann von ganz alleine Dinge, die ich nicht (mehr) kann. Sie hilft immer und jedem, ganz selbstverständlich. Und: Sie geht neugierig und interessiert mit ihrer Welt und den Menschen darin um. Beispielsweise neulich im Supermarkt, als wir in einem Gang auf einen Rollstuhlfahrer treffen – eine Situation, vor der ich schon lange Schiss hatte, weil ich nicht wusste, wie ich mich angemessen verhalten soll.

Emma: „Oh! Was… rollt der?“
Ich (schwitze): „Der Mann sitzt im Rollstuhl.“
Emma: „Was… rollt der?“
Ich: „Wir laufen, er rollt.“
Emma: „Aha.“
Auf dem Weg zur Kasse sieht sie ihn wieder, bleibt stehen, blickt abwechselnd zu ihm und zu mir. Dann ruft sie durch den ganzen Supermarkt:
Emma: „MAMAAAAAA, darf ich auch mal Rollstuhl?“

Foto: Tim Marshall / unsplash.com


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