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Heute war ich 50 Minuten lang mit 5 Delfinen tauchen – und mit etwa 20 anderen Tauchern, einer aufgeregter als der andere. Was ich erleben konnte, war also Natur pur. Und zwar die menschliche Natur.

Eigentlich ist es beim Tauchen ja genau das, was ich so mag: Neben dem wundervollen Gefühl von Schwerelosigkeit und dem blauen Glanz der Sonne unter Wasser liebe ich den Zusammenhalt unter Tauchern. Man kümmert sich umeinander, ist aufmerksam, hilfsbereit und oft auch ungebremst fröhlich. Man genießt besondere Erlebnisse mindestens zu zweit – egal, ob man sich vorher schon kannte oder nicht. Beim Tauchen erlebe ich regelmäßig, dass der Mensch ein soziales Wesen ist.

Korrektur: sein kann. Der Mensch kann auch anders. Das haben mir etwa 20 Exemplare heute in der El Quadim Bucht von El Quseir in Ägypten eindrucksvoll und luftblasenreich demonstriert.

Schon an Land hören wir von anderen Tauchern, dass Delfine in der Bucht sind. Plötzlich haben es alle unglaublich eilig. Kaum im Wasser tauchen wir schon ab – hinein in eine riesige Wolke aus Luftblasen. Unten angekommen sehe ich fünf Delfine, jeder einzelne von ihnen in enger Manndeckung, verfolgt von mindestens einem Taucher, der ihm am ausgestreckten Arm eine Kamera am Stiel ins Gesicht rammt. Egal, wohin sich die Delfine bewegen, die Treibjagd (!) folgt ihnen.

Keiner sieht sich nach keinem um, ständig klatschen einem Flossen ins Gesicht, vereinzelt schießen unerfahrene Taucher unabsichtlich wie Korken an die Oberfläche oder folgen absichtlich dem steten Auf und Ab der Delfine, die zwar spielen wollen, aber offensichtlich doch lieber zu ihren Konditionen. Die Sicht wird dabei rasant schlechter, weil alle hektisch mit den Flossen den feinen Sand aufwirbeln, der die sonst blaue Bucht in eine trübe Tasse Tee verwandelt.

Ich mache: nichts. Hocke regungslos im Wasser, atme ein, atme aus und bekomme regelmäßig Besuch von neugierigen Delfinen, die scheinbar dringend mal aus der Nähe prüfen wollen, was für ein Tier ich denn bin und ob ich zu der blubbernden, hektisch zappelnden Meute gehöre.

Ich gehöre zu dieser Meute. Ich sorge mich um diese Meute. Ich weiß – an Land wie im Wasser – inzwischen recht gut, wozu diese Meute fähig ist. Im Guten wie im Schlechten. Ich wünsche mir sehr, dass der aktuelle Mangel an Gemeinschaftsgefühl, Gelassenheit und Empathie für alle Lebensformen nur eine Phase ist. Und dass wir die Welt bald wieder gemeinsam genießen können, statt sie aufgeregt zu verdunkeln.

w3b1

Klugscheißerin, in einem früheren Leben Chefredakteurin und deshalb hier diejenige, die an allen Texten rumfingert. Und das, obwohl sie die Autoren persönlich angefleht hat, mitzumachen. Naja… Klugscheißerin, eben. Mehr Klugscheißerei gibt’s in den Referenzen.