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NEIN. Unsere Tochter ist auch an Tag vier nach dem errechneten Termin nicht zur Welt gekommen. Was mich in die merkwürdige Lage bringt, all den lieben Menschen da draußen, die mitfiebern, neugierig und sicher ähnlich ungeduldig sind wie wir, zu sagen: HÖRT AUF NACHZUFRAGEN! Bitte.

Emma_webAktuell habe ich das Gefühl, wir sollten über eine Sekretärin nachdenken. Irgendjemanden, der acht Stunden am Tag den Leuten antwortet: „Nein, leider noch nicht“ auf Fragen wie „Emma?“ und „Seid ihr schon Eltern?“. „Haha!“ auf das fast schon obligatorische „Mädchen müssen sich eben erst noch hübsch machen!“. Schon nach vier Tagen fehlt uns beiden nämlich jeder Nerv, das selbst zu erledigen – und dabei möglichst freundlich zu sein.

Natürlich fragen das nur Leute, denen wir offenbar am Herzen liegen. Ach so, und ein paar sehr entfernte Bekannte*, die man schon fast vergessen hatte, die dafür aber umso penetranter sind – und auch gerne noch Babykram für Dreijährige loswerden wollen, der bei ihnen den Keller blockiert. Sagen sie natürlich nicht, sondern: „Braucht ihr eigentlich noch ein Laufrad?“

NEIN, wir brauchen ein BABY!!! Und zwar unbedingt, weil wir beide sonst durchdrehen. Um es mal kurz zu umreißen: Schon vor vier Wochen dachte ich persönlich, die Kleine kommt jetzt endlich, als ich in keinem allzu guten Zustand in der Klinik landete. Als mir damals klar wurde, dass der Termin noch drei Wochen in der Zukunft liegt und ich das schlimmstenfalls werde aushalten müssen, habe ich drei Tage lang das Bett nicht verlassen und immer dann geheult, wenn der Mann gerade nicht aufgepasst hat. Ich war am Ende meiner Kräfte.

Zum Glück verging diese Phase (= Mann hat mich aus dem Bett und in die Sauna geschafft), dennoch: Seitdem schlafen wir beide schlecht bis gar nicht, weil a) es jederzeit losgehen kann, wir b) deshalb bei jedem ungewohnten Geräusch beide hochschrecken und fast schon im Auto sitzen und ich c) leider schnarche wie ein kaputter Laubbläser, was viele solcher Geräusche verursacht (bitte bei Interesse eigenständig „Schnarchen“ und „Schwangerschaft“ googeln, Danke!).

Der Mann schleppt sich nach diesen Nächten zur Arbeit, wo ihn eine Wand aus „Na, ist sie schon da?“ und „Ach, die Mädels, die putzen sich…“ erwartet. Währenddessen versuche ich – jetzt schon den fünften Tag in Folge -, die Zeit trotz regelmäßiger Wehen und fieser Schmerzen bei den meisten Kindsbewegungen ohne Tränen hinter mich zu bringen. Und zwar möglichst bewegungslos, da ich durch einen Babyschädel tief im Becken, kombiniert mit Wasser in den Beinen, schon länger kaum noch laufen kann.

Und dann? Pling. Pling. Pling. „Ist Emma schon da?“, „Wir sind in Gedanken bei euch!“, „Ihr meldet euch aber sofort, wenn sie da ist, ja?“…

Wie sagt man also Menschen, die man mag: „Danke für die Vorfreude – was ich aber gerade wirklich von dir brauche, ist deine Geduld“? Geht das überhaupt, ohne Familie und Freunde gegen sich aufzubringen?

 

Foto: splitshire.com

*Wer hier denkt, er sei gemeint, kann beruhigt sein: An solchen Stellen sind nie diejenigen gemeint, die sich selbst im Verdacht haben – denn sie neigen offenkundig zur Selbstreflexion und würden sich schon deshalb nie so verhalten 🙂

w3b1

Klugscheißerin, in einem früheren Leben Chefredakteurin und deshalb hier diejenige, die an allen Texten rumfingert. Und das, obwohl sie die Autoren persönlich angefleht hat, mitzumachen. Naja… Klugscheißerin, eben. Mehr Klugscheißerei gibt’s in den Referenzen.