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Braucht das Internet wirklich noch so einen bekloppten „Wie mein Geburtshilfe-Kurs gelaufen ist“-Text? Garantiert nicht. Aber ich brauche ein Ventil. Nach zweieinhalb Tagen unter werdenden Eltern, mit Hebamme, Hebammenschülerin, Plüschbecken, Himbeerblättertee und Sitzbad-Anleitung, sogar dringend.

Wie so vieles in meinem Leben beginnt die Geschichte mit einem „Eigentlich wollte ich gar nicht…“, denn: Eigentlich wollte ich AUF GAR KEINEN FALL so einen blöden Hechelkurs machen. Mir von einer Frau, die sich beruflich für den regelmäßigen Kontakt mit den Ausscheidungen fremder Frauen entschieden hat, in „Das ist meine beruhigende, vertrauenserweckende Stimmlage“ allerlei über das Kinderkriegen vorflöten lassen, außerdem über Esoterisches und Homöopathisches für mehr „Wunder“ und weniger schnöde „Geburt“… überhaupt nicht mein Ding. Und Atmen kann ich schon.

Auf dieser Basis hat mich dann allerdings eine liebe Mitschwangere gefragt, ob ich nicht bei einem Wochenend-Kurs dabei sein möchte. Sie, ich, alles an einem Wochenende erledigt, und die jeweiligen Kindsväter wären auch noch mit im Boot – „Warum nicht!“, dachte ich. Und: „Kann man ja noch jede Menge Neues lernen, und das beruhigt sicher.“

Hier mal meine wertvollen Erkenntnisse (= wusste ich nicht und freue mich, dass sich das geändert hat) nach zweieinhalb Tagen Geburtsvorbereitung:

  • Solange das Baby seinen Kopf nicht selbst stützen kann, dreht man es beim Ablegen und Aufheben am besten erst auf die Seite – denn in der Position kann es den Kopf halten.
  • Wer sein Baby anzieht, steckt am besten die eigenen Finger durch die Arm- und Beinöffnungen und zieht dann die Arme und Beine durch. Funktioniert besser als „jetzt stopfen wir die Extremitäten in die dafür vorgesehene Öffnung und fluchen, weil der Zwerg nicht kooperiert“.
  • Wenn es nach der Entbindung beim Pinkeln brennt, einfach mit ner Wasserflasche aufs Klo gehen und schön drüber laufen lassen – das verdünnt und lindert den Schmerz.
  • Wenn man weiß, wie es geht, sind Tragetücher doch nicht der allerletzte Drecksmist.
  • Geburt ist „wie Gebirge kacken“.
  • Der Mann ist genauso leicht zu nerven wie ich, und wenn er genervt ist, spricht man ihn am besten nicht an. Ach, man schaut ihn am besten nicht mal an.

Dem gegenüber stehen die unzähligen wertlosen Erkenntnisse (= wusste ich nicht, und damals war mein Leben schöner), von denen ich nur einige nennen möchte:

  • Manche Hebammen verfallen tatsächlich regelmäßig in (deeskalierendes?) Babysprech.
  • Das macht aggressiv.
  • Extrem!
  • Nicht nur mich, auch den Mann.
  • Weleda ist entweder fantastisch oder hat alle mir bekannten Hebammen gekauft.
  • „Stellen Sie sich Ihr Becken als eine Schale vor. Überlegen Sie sich genau, aus welchem Material diese Schale besteht. In Ihrem Becken liegt eine Kugel. Aus welchem Material besteht sie, wie groß ist sie? Jetzt lassen Sie die Kugel in Ihrem Becken kreisen“ ist ein realer Monolog.
  • „Wer sich seine Schale aus Porzellan vorstellt, der hat meistens einen Kaiserschnitt“ ist ein realer Satz.
  • Es gibt Leute, die schreiben zweieinhalb Tage lang pausenlos kleinteilig mit – und fragen dennoch regelmäßig genau das, was zwei Sätze zuvor erklärt wurde.
  • Dass diese Leute nicht verprügelt wurden – vom Mann oder von mir – ist das Ergebnis von Selbstbeherrschung. Und Faulheit. Und in meinem Fall: Schwangerschaft.
  • Haushaltsmittel gegen Sodbrennen verstärken mein Sodbrennen, wenn sie von anderen Frauen eingenommen werden. Konkretes Beispiel: Frau Öko (Name ist der Redaktion egal) knabberte pausenlos (wirklich: pausenlos) Mandeln. Allerdings nahm sie sich zu diesem Zweck immer nur zwei Mandeln aus ihrer Tasche, die hinter ihr lag. Das bedeutete zweieinhalb Tage lang im Minutentakt: Umständlich schwanger umdrehen, nach der Tasche kramen, nach der Mandeltüte kramen, in der Mandeltüte nach Mandeln kramen, Mandel in den Mund, knabbern, umständlich schwanger umdrehen…
  • Wer Wehen auslösen will, kann auf dem Klo (!) ein Heublütensitzbad (?) machen, das aber „nicht für Allergiker“ geeignet ist.
  • Wenn man das Zeug dafür in einer wiederverschließbaren Gefriertüte mitbekommt, sieht man aus wie der aberwitzigste Dealer der Welt.
  • Es gibt Leute, die kommen immer zu spät, fallen über die eigenen Füße und kommentieren alles, was man ihnen sagt, mit einem Kopfschütteln und „Ach so? Okay…“
  • Ich wäre gerne wie sie, dann müsste ich mich hier nicht so auskotzen.
  • Es wird immer deutlicher: Mit großer Wahrscheinlichkeit bin ich nicht für den Umgang mit anderen Menschen und damit auch nur bedingt für die Mutterschaft geeignet. Mist, blöder.
  • Geburt tut weh! Die Details zu Blut, Schweiß und Tränen muss ich jetzt dringend verdrängen gehen.
Foto: Skitterphoto
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Klugscheißerin, in einem früheren Leben Chefredakteurin und deshalb hier diejenige, die an allen Texten rumfingert. Und das, obwohl sie die Autoren persönlich angefleht hat, mitzumachen. Naja… Klugscheißerin, eben. Mehr Klugscheißerei gibt's in den Referenzen.