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Nachdem ich auf einen weißen Streifen gepinkelt und der sich in einen positiven Schwangerschaftstest verwandelt hatte, ging ich zum Fenster, öffnete es, schwang meinen Arsch auf die Fensterbank und zündete mir eine Zigarette an. Erst, als ich den Stummel vier Stockwerke hinab auf die Straße gefeuert hatte, rief ich meinen Freund an. „Fehlt es dir eigentlich, das Rauchen?“ werde ich seitdem häufig gefragt, was bei meiner früheren Kettenraucherei nicht weiter verwundert. Dass es mir so überhaupt nicht fehlt seit dieser letzten Zigarette, das verwundert – zumindest mich.

Allerdings werde ich dabei enorm unterstützt: von meinen Hormonen. Es vergingen nur wenige Wochen, bis ich den Geruch von Zigaretten nicht mehr ertragen konnte. Wenn mein Freund von einem bier- und zigarettenseligen Abend nach Hause kam, trieb mir oft schon der sanfteste Hauch von Qualm den Obi-Eimer in die Arme. Ob ich wieder rauchen werde, wenn ich wieder rauchen darf? Ich weiß es nicht. Aber vermissen werde ich es wohl erstmal nicht.

Nach den Dingen, die ich wirklich vermisse, fragt mich übrigens nie jemand. Ich vermisse es, ohne Pinkelpausen durchzuschlafen. Ach, ich vermisse es überhaupt, auf dem Bauch zu liegen. Und dass Nächte einmal nach 22 Uhr anfangen. Ich vermisse es, wie Menschen mit mir umgegangen sind – nämlich so, als könnte man mit mir über alles reden und sich so benehmen, wie man möchte. Zu viele glauben plötzlich, sie seien zu laut oder zu derbe oder ich sei sehr empfindlich, weil schwanger, und dimmen sich ungefragt runter auf eine blaße Version von sich selbst. Sie machen sich muttikompatibel – und mich damit zur Mutti.

Ich vermisse schon jetzt, ein Individuum zu sein, und ich fürchte, dass ich dieses Gefühl wohl für immer vermissen werde. Manche Freunde vermisse ich, die es nicht mehr in meinem Leben gibt, weil eine Schwangerschaft und gar ein Kind nicht zu der Rolle passten, die sie für mich vorgesehen hatten. Demnächst werde ich freie Sicht auf untenrum vermissen, das deutet sich jetzt schon an. Meine Hosen, oh, wie ich meine Hosen vermisse, und das Gefühl, Platz in den eigenen Klamotten zu haben! Ich könnte ewig so weiter aufzählen… Alkohol, Zigaretten, Party und Co. werden doch nicht auf der Liste landen.

Bei all der Vermisserei würde ich doch nichts ändern, selbst wenn ich es könnte – dafür bin ich viel zu gespannt auf alles, was noch kommt. Und ich zähle gerne zu den Menschen, die einen weißen Streifen mit Pipi dran für immer aufheben werden.

Foto: Ulrich Merkel / pixelio.de

 

 

w3b1
Klugscheißerin, in einem früheren Leben Chefredakteurin und deshalb hier diejenige, die an allen Texten rumfingert. Und das, obwohl sie die Autoren persönlich angefleht hat, mitzumachen. Naja… Klugscheißerin, eben. Mehr Klugscheißerei gibt’s in den Referenzen.
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Written by w3b1

Klugscheißerin, in einem früheren Leben Chefredakteurin und deshalb hier diejenige, die an allen Texten rumfingert. Und das, obwohl sie die Autoren persönlich angefleht hat, mitzumachen. Naja… Klugscheißerin, eben. Mehr Klugscheißerei gibt's in den Referenzen.

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