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Hi. Ich bin Marc. Ich heiße nicht wirklich so, aber wen interessiert das schon.
Ich bin Deutscher. Und deutscher. Also… ein echter Deutscher. Keiner dieser synapsengetrimmten Typen, die sich als Deutsche ausgeben. Als aufrechte Deutsche, als ein Volk von Deutschen. Ein Volk, dem die Zukunft unserer Kinder und das Wohl unseres Landes noch wirklich am Herzen liegen. Aufrechte Deutsche, die sich einmal in der Woche zum Saufen, Hetzen, Zündeln und äh… Patriotieren….? Ach was weiß ich. Sie treffen sich halt. Leider übersehen sie immer, dass es Menschen wie mich gibt, die noch viel deutscher sind als sie. Superdeutsche quasi. Unbemerkt fristen wir unser Dasein im Untergrund, aber wenn man mal genauer hin sieht, sind wir doch zu erkennen, und eigentlich überall.

Ich stehe irgendwann zwischen sieben und acht auf und gehe zur Arbeit. Ganze 24 Tage Urlaub stehen mir zu. Ich mag mein Frühstücksei auf den Punkt, am Scheidepunkt der beiden Eiggregatszustände. Dazu Salz und ein Weizenbrötchen. Ich bin so deutsch.

Ich liebe das Geräusch einer rappelvollen Waschmaschine, wenn sie mich mit klangvollem Schleudern in den Schlaf wiegt, obwohl noch gar keine Schlafenszeit ist. Ich bin so deutsch.

Ich habe immer eine gültige Fahrkarte, keinerlei Vorstrafen, bin 1,80 Meter groß, wiege 82 Kilo, habe blaue Augen, bin nicht beschnitten und wenns mich irgendwo juckt, dann kratze ich mich da ganz ungeniert. Ich bin so verfickt deutsch. Schneidet euch gefälligst eine Scheibe ab.

An Christi Himmelfahrt (auch bekannt als Männertag) besaufe ich mich ganz deutsch mit meinen Freunden und mache dann volltrunken Arschparade für die Elbdampfer. An Weihnachten steht eine anderthalb Meter hohe erzgebirgische Pyramide bei mir im Weg, die mein Urgroßvater eigenhändig geschnitzt hat. Deutscher geht quasi gar nicht.

Ich mag Spaziergänge. Aber nicht am Montag. Am Montag kümmere ich mich um andere Menschen. Ob um deutsche oder nichtdeutsche, ist mir vollkommen wurscht. Das tut der Gesellschaft gut – und auch meinem eigenen Seelenheil. Ihr Nasen habt in über einem Jahr Spaziergängerei und Hetze nichts, aber auch gar nichts erreicht. Schaut am Montag mal nach links und rechts. Da seht ihr die Menschen, die euch ein Gemeingefühl durch bloße Anwesenheit vorgaukeln. Sie werden die Zweiten sein, die euch übers Ohr hauen, wenn sie eine Chance sehen, sich damit selbst zu bereichern. Schaut nach vorn: Lutz B.! Juhu! Er war der Erste, der euch übers Ohr gehauen hat, als er eine Chance sah, sich selbst zu bereichern.

Ich stärke Gemeingefühl und Volksgeist durch Anwesenheit und Unterstützung im Bedarfsfall. Ihr seid einfach nur anwesend, montags, oder bei Facebook.

Ich bin so deutsch. Ich bin hier geboren, habe hier Laufen und Sprechen gelernt und es war mir scheißegal, wie der Boden hieß, den meine damals noch winzigen und unbehaarten Füße zuerst berührten. Es war mir sowas von Pömpel, welcher Sprache die ersten Worte, die meinen Mund verließen, angehörten. Mir ging es am Arsch vorbei, wem die Kühe hinter dem Elektrozaun gehörten, gegen den ich meinen Urinstrahl richtete. Und das ist noch immer so. Ich bin stolz darauf. Das ist meine deutsche Identität.

Ich bin so deutsch. Und ich werde immer deutscher. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Menschen in unserem Land das ebenfalls werden. Und dabei sehen die nicht mal deutsch aus.

Alles, was uns bleibt, ist: deutscher zu sein als die, die es so vehement von sich behaupten. Darum bitte ich euch allesamt. Sonst bleibt nur die Umschulung zum Superkanadier oder so…

Foto: Marc Saltberg
Marc Saltberg
Seine Freunde wünschen ihm zum Geburtstag „eine fette Taube, die dir schön auf den Latz scheißt, dazu leichte, aber bestimmte Rückenschmerzen und das Gefühl, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, aber von niemandem gemocht zu werden.“ Was ihm sonst noch Nachtschweiß auf die Haut treibt, verarbeitet er hier.
Marc Saltberg

Written by Marc Saltberg

Seine Freunde wünschen ihm zum Geburtstag "eine fette Taube, die dir schön auf den Latz scheißt, dazu leichte, aber bestimmte Rückenschmerzen und das Gefühl, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, aber von niemandem gemocht zu werden." Was ihm sonst noch Nachtschweiß auf die Haut treibt, verarbeitet er hier.

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