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Wenn ich an Aqua-Gymnastik denke, habe ich ein ganz bestimmtes Bild vor Augen: Zehn bis 20 Omis in Badeanzügen und Badekappen mit Nudeln in der Hand stehen in einem großen Schwimmbecken und werden von einer charmanten jungen Lady angeleitet, sich seicht durchs Wasser zu bewegen. Das sieht dann ungefähr so aus.

Genau mit dieser Intention sind meine beste Freundin und ich auch an unseren ersten Hochschulsporttag herangegangen. Schließlich sind wir jetzt “alt“ und quasi schon Omas und deshalb wollen wir uns gechillt durchs Wasser treiben lassen und dabei lustige Dinge mit komischem Wasserspielzeug machen.

Leider scheitere ich – wie so oft – schon am Beginn meines Vorhabens. Denn bereits auf dem Weg zur Dusche schaffe ich es, mich vier Mal fast auf die Gusche zu legen, weil der Fußboden logischerweise nass ist. Um nicht doch noch hinzuklatschen, habe ich meine Bewegung von normal-laufen auf sieht-aus-als-hätte-ich-mir-eingekackert-laufen umgestellt. Das ist nicht sonderlich schön, aber zielführend!

Am Schwimmbecken – ohne Sturz – angekommen, treiben tatsächlich etliche Omis und Opis ziemlich easy durchs Wasser und der Trainer sieht auch sehr nett aus. Da kommt doch Freude auf! Wir kichern die ganze Zeit wie aufgescheuchte Drittklässler und amüsieren uns prächtig. Bis alle Omis und Opis den Raum verlassen, ihren netten Trainer mitnehmen und uns den Drillmaster schlechthin dalassen.

In Bermuda-Shorts und Adiletten rackert sich unser Trainer – ein stark behaarter, aggressiv klingender Mitdreißiger, dessen Anweisungen man aufgrund seiner gebrochenen Aussprache nur schwer folgen kann – am Beckenrand ab und tanzt uns Übungen vor, die mir schon beim Zusehen sehr unangenehm sind. Ich bin froh, dass ich wenigstens unter Wasser bin, während ich das nachmachen muss. Zusätzlich klingt alles aus seinem Mund einfach so anrüchig, dass ich mir die ganze Zeit wünsche, ich hätte mich nicht für den knappen Bikini, sondern für einen Ganzkörperbadeanzug entschieden.

Schon in der ersten Runde, die wir durch das Wasser laufen sollen, kriegen wir Anschiss – der Kreis, den wir da laufen, ist viel zu groß. Wir werden jedoch nicht nett auf unser Versehen hingewiesen, sondern allen Ernstes angebrüllt. Und das mit einem Unterton, der die ganze Zeit fragend nachhallt: WIE BLÖD KANN MAN EIGENTLICH SEIN?

Leider lösen solche Autoritätsversuche bei mir grundsätzlich eher Ungehorsam aus. Weshalb ich mir auch die ganze Zeit vorkomme, als wäre ich zwölf Jahre alt und hätte gerade den schlimmsten Lachkrampf meines Lebens – mitten im Unterricht. Man kennt das ja, Versuche à la „Maria, wenn du nicht bald aufhörst, dann schmeiß ich dich raus!“ machen das nicht besser. Und wenn dann die beste Freundin auch noch dabei ist und ständig losprustet, wenn man sich gerade halbwegs wieder eingekriegt hat – dann ist das wirklich alles gar nicht so einfach.

Aber ganz ehrlich? Wie soll man denn ernst bleiben, wenn der Trainer ständig solche Dinge sagt wie: „Jetzt nehmen wir unsere Gerät zwischen die Beine!“ Wobei er das Wort Gerät grundsätzlich wie DER GERÄT ausspricht, was uns jedes Mal aufs Neue zu einem Lachanfall verhilft.

Gleichzeitig komme ich mir bei unseren Übungen abwechselnd wie eine traurige Kopie von Neri aus Ocean Girl oder ein krankes Seepferdchen vor – beides wenig anmutig und immer kurz vorm Untergluckern. Oder halt wahlweise schon direkt komplett abgesoffen.

Wobei man dann direkt wieder angefahren wurde, weil man seine Füße auf den Beckenboden gestellt hat – oder sie einfach dahingefallen sind, als man so vor sich hin gluckerte. ABER DAS IST VERBOTEN! DAS GEHT NICHT! Füße und Fußboden – zwei Dinge, die nicht zusammengehören. Zumindest, wenn es nach Mister Gerät geht.

 

Illustration: Gisela Gramsch
miezekind
Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur Pferde mit Partyhüten sind.
miezekind

Written by miezekind

Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur...
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