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Ich mag Dresden nicht besonders. Ich habe keine Ahnung, wieso das so ist. Es ist einfach ein Gefühl, dass ich auch in den anderthalb Jahren, in denen ich im sogenannten Elbflorenz gelebt habe, nicht losgeworden bin. Und das, obwohl mir Dresden einen Lichtblick für meine Zukunftswünsche und so viele liebe Menschen bescherte, die auch nach meinem Wegzug noch sehr wichtig für mich geblieben sind.

Selbst wenn ich in Dresden zu Besuch bin, von der Neustadt am Elbufer entlang rüber in die Altstadt spaziere, kommt in mir kein Heimatgefühl auf. Selbst in Duisburg habe ich das. Und Duisburg ist nun beim besten Willen keine schöne Stadt. Dieses kleine nostalgische Ziehen im Herzen, das einem zeigt: Es war nicht alles schlecht. Aber in Dresden? Nüscht. Joar nüscht!

Man könnte jetzt denken, dass mir Dresden so sehr egal ist, dass mir auch die Dinge egal sind, die sich seit einem Jahr so gut wie jeden Montag an der Elbe abspielen. Aber das ist falsch.

Seit einem Jahr sehe ich aus der Ferne zu, wie sich meine Freunde den Arsch aufreißen, ständig zur Stelle sind, um sich immer und immer wieder gegen den braunen Scheißhaufen aka. die „besorgten Bürger“ auf die Straße zu stellen und versuchen, den Flüchtlingen zu helfen, wo sie nur können.

 

Ein Jahr Pegida ist ein Jahr zu viel.

Doch jetzt bin ich nicht mehr in der Ferne. Muss nicht mehr von Weitem zusehen. Kann endlich meine Freunde vor Ort unterstützen. Schon alleine die Freude in den Augen zu sehen, weil ich mich am Montag zum #partycrashen vom Pegida Geburtstag extra aus Leipzig auf den Weg gemacht habe, zeigt mir: Das ist so wichtig.

Für mich verlief der Demo-Montag sehr ruhig. Wie ich aber – gerade über Twitter – quasi in Echtzeit verfolgen konnte, hatte ich einfach nur verdammtes Glück. Kurz nachdem wir am Landtag wegen einer Polizeisperre in eine Parallelstraße abgebogen sind, kam es dort zu gewalttätigen Ausschreitungen. Genau so war es, kurz nachdem wir sowohl Postplatz als auch die Brühlschen Terrassen verlassen hatten.

Und auch, als ich mich – vermutlich wie immer ein bisschen zu blauäugig – wieder in völliger Sicherheit wähnte und zurück in Leipzig war, hatte ich einfach nur Schwein, dass ich mich zügig genug vom Hauptbahnhof entfernt hatte. Denn sogar dort war es nach unserer Ankunft zu brutalen Ausschreitungen mit Nazis gekommen.

 

Was bleibt?

Die ganze Woche habe ich mit mir gehadert. Eigentlich wollte ich nicht über meinen „Ausflug“ nach Dresden schreiben. Aber ich kann nicht anders. Denn seit Montag brodelt das Thema in mir und bei jedem Gedanken daran kommt dieses taube Gefühl der Machtlosigkeit zurück.

Jedes Mal, wenn mich jemand fragt, wie es in Dresden war, atme ich erstmal lange aus und weiß dann gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin traurig, fühle mich hilflos und taub und frage mich dabei, wie es den Menschen gehen muss, die sich seit einem Jahr im Epizentrum des braunen Mobs wehren.

Gleichzeitig frage ich mich allerdings auch, was in den Menschen vorgeht, die an solch einem Montag auf ihrem Sofa sitzen bleiben können. Die auf die Unfähigkeit der Dresdner schimpfen, ihren eigenen Arsch aber nicht hochkriegen.

Liebe Menschen, gehen Sie auf die Straße! Bitte! Zeigen Sie Gesicht! Denn es geht hier nicht nur um die Frage, wie wir mit Flüchtlingen umgehen. Und es geht vor allem nicht nur um Dresden. Es geht um essentielle Grundwerte unserer demokratischen (!) Gesellschaft, die von Idioten unterwandert werden. Und Harry Potter wird nicht kommen, um uns von den Totessern zu befreien. Das müssen wir schon irgendwie selber hinkriegen.

 

Illustration: Gisela Gramsch
miezekind

Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur Pferde mit Partyhüten sind.