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Ich bin enttäuscht. Maßlos.

Es hatte so gut angefangen. Das Jahr hat mich mit einem fantastischen Sommer beglückt, der Herbst war so gülden wie lange nicht. Und dann das. Betrogen vom besten Freund unter den Witterungen. Aufs schlimmste hintergangen. SCHNEE! UND DAS MITTE OKTOBER! WAS SOLL DAS???

Man möge mich jetzt bitte nicht falsch verstehen. Ich liebe den Schnee. Und gerade der erste Schnee im Jahr ist etwas so Besonderes für mich.

Jedes Jahr versuche ich aufs Neue, dem Schnee klarzumachen, dass er sich gefälligst erst zu meinem Geburtstag Anfang Dezember blicken lassen soll. Das klappt immer wenigstens ungefähr.

Dann gehe ich morgens aus dem Haus und bin dick eingemummelt – weil ich den ersten Kälteschock überwunden habe und nicht mehr leicht bekleidet denke „Das geht noch mal. So kalt ist es noch nicht!“ Nein, dann – so ungefähr Ende November – freue ich mich sogar über die Kälte. Schließlich bringt sie meinen Freund, den Schnee.

Und wenn ich dann vollbepackt mit gefühlt allen Sachen, die ich besitze, aus der Haustür falle, kann ich ihn eines Tages schon riechen, den Schnee.

Aber in diesem Jahr? Habe ich mich bisher weder an die Kälte gewöhnt, noch bin ich heute Morgen dick eingepackt aus dem Haus gegangen. Ich bin nicht mal aus dem Haus gegangen. Ich saß einfach nur in meiner Wohnung, mit dem Rücken zum Fenster und habe Texte für die Uni gelesen. Nur mal zwischendurch drehte ich mich kurz um UND DANN DAS. Verrat. Hochverrat!

Das Ritual des Jahres – einfach gestohlen! Wie soll mir denn da etwas Gutes widerfahren, wenn das hier alles so gegen alle Bestimmungen läuft? Ich sitze in meiner Wohnung und weine leise in mich hinein, als es an der Tür läutet.

Der DHL-Mann.

Und was bringt der? MEIN INTERNET! Und es funktioniert! Auf Anhieb! Am Freitag erst bestellt und heute funktioniert das schon! Unfassbar.

Mein Freund, der Schnee, er kann es also auch so. Ha! Ohne, dass ich mich an meinen festgefahrenen Ritualen festhalte und meine kleine Nase in die Luft halte und gar nicht mehr ausatmen will, weil das einfach der beste Geruch des Jahres ist.

Vielleicht ist es mit dem Schnee wie in jeder anderen Beziehung auch? Vielleicht sollte man manchmal einfach nicht so verkrampft sein? Den Schnee einfach fallen lassen, wie er fallen will? Bei kleinen Problemchen einfach entspannt bleiben und sich nicht so sehr aufregen?

 

Illustration: Gisela Gramsch
miezekind
Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur Pferde mit Partyhüten sind.
miezekind

Written by miezekind

Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur...
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