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Ich. Bin. Jetzt. Student. So richtig! An einer Universität! Und dann auch noch an der Universität meiner Träume! Unglaublich. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, durchströmt mich ein sehr, sehr tolles, kribbeliges Gefühl, das ich am liebsten für schlechte Zeiten – die sehr vermutlich bald kommen werden – konservieren möchte.

Aber ich bin jetzt nicht nur Studentin, sondern auch Ersti. Boa, wie ich dieses Wort hasse. Obwohl. Das Wort ist mir eigentlich komplett egal. Eigentlich hasse ich nur diesen Unterton, der jedes Mal mitschwingt, wenn jemand dieses Wort benutzt: Bisschen bleede, wollen nur saufen und stehen eigentlich die ganze Zeit überall im Weg rum.

Abgesehen von dem Wort bin ich allerdings tatsächlich sehr großer Fan des Ersti-Daseins. Endlich eine Ausrede für den Alkoholkonsum, den ich mir über die vergangenen Jahre angeeignet habe. Die beiden anderen Punkte habe ich eigentlich soweit im Griff und für dumme Fragen habe ich zum Glück genug Menschen, die ich richtig schön nerven kann und die mir immer geduldig Auskunft geben. Das. Äh. Läuft.

Meine Einführungswoche habe ich bereits überstanden. Von den insgesamt sieben für uns vorgesehenen Veranstaltungen habe ich fünf besucht – zwei davon haben mich wirklich interessiert, bei zweien gab es Alkohol und das letzte war der Veranstaltungspunkt „ganztägiges Ausnüchtern“ am Freitag. Das. Kann. Ich.

Und das habe ich sogar – ambitioniert wie ich nun mal bin – Mittwoch UND Freitag gemacht. Aber da unser Leben ab der ersten richtigen Woche eh scheinbar vorbei sein wird – wie uns sowohl die Professoren als auch die Drittsemestler mitgeteilt haben – dachte ich mir, dass ich in der Einführungswoche jeden Tropfen Alkohol mitnehme, den ich kriegen kann. Meine Freundin aus dem fünften Semester hat mir das eh ans Herz gelegt – für das gesamte Studium.

Während die ersten meiner Kommilitonen bereits am Mittwoch angefangen haben, die Texte für die erste Vorlesung am nächsten Mittwoch durchzuarbeiten, lag ich noch komatös im Bett und habe auf meine Katerpizza gewartet. Das mit dem Priorisieren habe ich halt einfach drauf.

Ansonsten habe ich ja eh keine Ahnung, wie dieses Studieren überhaupt funktioniert. Mein Bachelor war eine einzige Verlängerung meiner Schulzeit: Den Stundenplan bekamen wir am Anfang jedes Semesters fertig hingelegt, der “Campus” bestand aus einem einzigen Gebäude, unseren Kursraum mussten wir nie verlassen und auch für Prüfungen musste man sich nicht anmelden.

Vor der Einführungswoche war ich so euphorisch, dass ich tatsächlich dachte, ich könne mein lang antrainiertes, faules Arbeitsverhalten überwinden und mich richtig anstrengen, meine Hausaufgaben immer gleich erledigen, jeden Tag gut vorbereitet in der Uni erscheinen und alles gelassen nehmen. Dass das für mich nicht schaffbar ist, wusste ich gleich – dafür kenne ich mich viel zu gut. Aber ich bin schon froh, wenn ich Stifte und Papier an meinem ersten Tag dabei habe − denn das habe ich am ersten Tag meines Bachelorstudiums nicht geschafft. Ja, lachen Sie nur. Ich habe das verdient.

 

Illustration: Gisela Gramsch
miezekind
Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur Pferde mit Partyhüten sind.
miezekind

Written by miezekind

Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur...
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