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Entschleunigung liegt ja total im Trend. Im Urlaub einfach mal alle Leitungen kappen. Das Handy ausmachen. Unserer komplett vernetzten Welt für kurze Zeit entkommen. Es gibt viele Menschen, denen das beim Erholen hilft – und sicher auch viele, die sich einreden, dass es ihnen hilft.

Ich stelle mir das durchaus auch ganz nett vor. Wenn ich allerdings in den Urlaub fahre und mir vorab WLAN versprochen wird, dann erwarte ich auch, dass das WLAN funktioniert.

 

PP – Persönliches Pech

Zwei Wochen Südengland mit Schwester, Nichte und Hund in einem Domizil Namens Magic Cottage – das klingt doch nett! Nach unserer Ankunft wird uns von der Vermieterin erklärt, dass das WLAN manchmal hängt. Ja, okay. Das kann ja mal passieren. Kein Grund, sich aufzuregen. Wir sind ja schließlich im Urlaub. Dann teilt uns die gute Frau jedoch mit, wir müssten immer mal zum Haupthaus gehen, um uns neu mit dem Internet zu verbinden, wenn es nicht funktioniert. Da wird man schon stutzig und hofft, dass das maximal einmal in der Woche passiert. Oder seltener. Oder halt gar nicht.

Das WLAN funktioniert dann eigentlich überall wunderbar – nur nicht in unserem Magic Cottage. Ob das Teil der Magie sein soll? Ich weiß es nicht, habe allerdings auch keine Zeit, darüber nachzudenken, denn ich bin auf der Suche. Ständig auf der Suche. Nach WLAN.

Im Garten vor unserem Haus funktioniert alles bestens. Am ersten Tag haben wir Bikiniwetter vom Feinsten – alles kein Problem. An den folgenden Tagen zeigt sich England dann allerdings von seiner typischen Seite und beschert uns Regen ohne Ende. Da beginnt mein Yoga-Urlaub. So wie ich mich ständig in alle möglichen Posen verrenke, um mich iiirgendwie zu connecten, könnte man durchaus meinen, dass ich Sport praktiziere. Man könnte allerdings auch denken, ich habe einen an der Klatsche – ist vermutlich naheliegender.

Und während zu Hause alle in #Heidenau ausrasten, den #mundaufmachen oder #lidlboykott-ieren, kann ich mir weder Joko und Klaas angucken, noch Twitter bis zum Ende durchscrollen, um mich irgendwie informiert zu halten. Ich fühle mich ausgegrenzt, kann in Leipzig nicht gegen die Spacken von Legida und Pegida mit auf die Straße gehen und noch nicht mal die Berichterstattung darüber verfolgen.

Ich hab weh. Heimweh, Internetweh, Informationsweh. Nach einer Woche in der Heimat geht es noch einmal für eine Woche in den Urlaub. Angeblich soll es da WLAN geben. Ich bin gespannt. Bis dahin scrolle ich Facebook und Twitter durch und wenn ich fertig bin, fange ich wieder von vorne an – vorsichtshalber.

 

Es war nicht alles schlecht.

  1. Ich bin immerhin gesund. Meine Schwester hingegen hat sich in der Zwischenzeit eine ordentliche Erkältung eingefangen, weil sie unbedingt jeden Abend über Whatsapp telefonieren musste und das natürlich draußen im Garten – geht ja nur da.
  2. Zuhause wär mein Internet schon wieder gedrosselt. Diese Zeit habe ich damit elegant umschifft.
  3. In England gibt es so viel freies Wifi! Grandios. Da kann man ruhig mal ein paar Stunden im eiskalten Tesco rumstehen, während sich der Rest der Familie um den Einkauf kümmert. Blöd nur, dass die irgendwann gehen wollen.

 

Illustration: Gisela Gramsch
miezekind
Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur Pferde mit Partyhüten sind.
miezekind

Written by miezekind

Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur...
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