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Das Beste am Sommer? Genau: Sommerferien! Natürlich meine ich nicht die Sommerferien der Anderen, an denen man stundenlang und ungewollt auf der Autobahn partizipiert. Obwohl man nach einer harten Woche einfach nur nach Hause will und dann aber gezwungenermaßen als Schmorbraten im Auto endet. Auch nicht die Sommerferien der kreischenden Kinder im Freibad, die man nach acht (oder mehr) Stunden im stickigen Büro über sich ergehen lassen muss. Ich meine die eigenen Sommerferien mit ganz viel täglichem Badengehen, Eisessen und Abends-lange-draußen-Sitzen.

Dieses kribbelige Gefühl, wenn es seit Wochen wohlig warm ist, die Sonne nahezu ununterbrochen scheint, man für keine Tests und Klassenarbeiten mehr lernen muss und man endlich das Schuljahr und die Lehrer für eine kleine, unbeschwerte Weile hinter sich lassen kann, aber weiß, dass man bald wieder an seinem angestammten Platz (zweite Reihe, zweiter Platz links) fläzen wird. Unbezahlbar.

 

Schluss. Aus. Ende.

Nach der Schulzeit ist das allerdings auf einmal vorbei. War es für mich zumindest. Auf einmal ist man erwachsen oder zumindest volljährig, geht arbeiten und hat im Sommer maximal drei Wochen Urlaub. Natürlich sind drei Wochen schön, aber es ist irgendwie nicht mit Sommerferien und vor allem nicht mit diesem wahnsinnig guten Gefühl von Freiheit vergleichbar.

Denn nach dem Urlaub fängt man nicht einfach noch mal bei null an, wie das in der Schule der Fall war. Man kommt nach drei freien Wochen zwar zurück an seinen angestammten Platz, darf da aber meist nicht fläzen und muss vor allem da weitermachen, wo man vor drei Wochen aufgehört hat. Und das geht dann Jahr für Jahr so – bis man irgendwann alt und schrumpelig ist und in Rente geht.

 

#notjusttrue

Ja, in der Sommerferienzeit war auch nicht immer alles rosig. Da musste man sich ja meistens nach den Eltern richten – gerade im Urlaub. Den ganzen Tag am Strand liegen? Fehlanzeige! Da werden dann nachmittags noch irgendwelche Sehenswürdigkeiten angeguckt, weil die Eltern das mit dem Bildungsauftrag so unerträglich ernstnehmen. Und dann entscheiden die auch noch, wo es in den Urlaub hingeht! Da fährt man halt an die Ostsee und nicht wie die ganzen coolen Kids nach Gran Canaria oder Florida. Nee, Ostsee. Oder noch besser: Mit dem Rad die Mulde entlang. Urlaub nennen die das, diese Eltern. Und das mit einem pubertierenden Kind. Folter nenne ich das!

UND DAS AUCH NOCH ZWEI JAHRE NACHEINANDER! Freiberger Mulde und Zwickauer Mulde. Während ich eigentlich durchgehend eine Fresse zog, versuchte mein Vati mit Sätzen wie „Es geht tendenziell bergab!“ zu beschwichtigen. Das bekam ich besonders deutlich zu spüren, als ich am schlammigen Ufer mit meinem Mountainbike (war halt damals cool) wegrutschte und dann zwischen Weg und Abhang zur Mulde stecken blieb. Abenteuerurlaub mitten in Sachsen, jej!

 

Sommerferien 2015

Dieses Jahr war auf einmal alles anders. Ich habe gerade keinen Job und warte darauf, dass mein Studium losgeht. Und irgendwo an einem Strand zwischen Leipzig und Dresden habe ich dann mein Sommerferiengefühl wiedergefunden. Auf einmal wurde mir bewusst, wie grandios es ist, jeden Tag baden gehen zu können, so viel Eis zu essen wie man will, sich im Freibad Pommes zu holen, weil man gerade Bock darauf hat und gleich danach wieder ins Wasser zu gehen, weil da niemand ist, der einem sagt, dass man nach dem Essen noch warten muss, bis man wieder ins Wasser darf.

Wie toll das ist! Das sind nicht nur Sommerferien! Das sind Sommerferien deluxe mit integrierter Selbstbestimmung! Und ich mache gerade seit Wochen nichts anderes! Das will ich ab sofort jeden Sommer!

 

Ausblick

Leider kann man von Sommerferien deluxe nicht so besonders gut leben, denn die bezahlen einem kein Gehalt. Und es ist auch leider ein Teufelskreis, denn irgendwann machen auch die schönsten Sommerferien keinen Spaß mehr, weil man sich im Freibad nämlich gar keine Pommes und kein Eis mehr leisten kann.

Wenn ich ab Oktober studiere, werde ich das erste Mal in meinem Leben Semesterferien haben. Ob die genau so fetzen wie Sommerferien? Oder vielleicht noch viel mehr? Ich werde es erforschen. Vielleicht schaffe ich es ja auch, den Rest des Jahres so viel Geld zu erwirtschaften, damit ich mir ein wenig Semesterferien deluxe gönnen kann.

Wie das dann allerdings nach meinem Studium aussehen soll, weiß ich auch noch nicht so wirklich – zum Glück habe ich auch noch ein bisschen Zeit, mir dafür eine Lösung zu überlegen.

Aber ich weiß immerhin, was ich nicht will: Einen Bürojob mit drei Wochen „Erholungsurlaub“, der mich nicht erholt macht, weil ich die erste Woche dafür brauche, überhaupt erst einmal runterzukommen. Mir in der zweiten Woche denke „Scheiße, schon eine Woche um!“ Um mir dann in der dritten Woche die ganze Zeit zu denken „Scheiße, nächste Woche muss ich da schon wieder hinkrauchen!“

Nein, das will ich nicht. Ein bisschen mehr Sommerferienfeeling muss da doch drin sein, in diesem Leben!

 

Illustration: Gisela Gramsch
miezekind

Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur Pferde mit Partyhüten sind.