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Wenn ich nach Hause komme, werde ich, je nach Tageszeit, angeschrien (draußen ist es noch hell) oder angegurrt (draußen ist es schon dunkel). Täglich um Punkt 11 Uhr darf ich ein frisches Würstchen aus dem Streu bergen. Menschen nennen mich „merkwürdige Katzenlady“ und diese Seite „das Katzenblog“. Aber da die Gästin mich eben nur manchmal beehrt und unsere gemeinsame Zeit in wenigen Tagen endet, gönne ich mir katzenladylike ein paar Erinnerungen für die Ewigkeit.

 

Platz 3: Spielen. Spielen! SPIELEN!

Bildschirmfoto 2015-08-13 um 14.31.16Valentina ist das Prachtexemplar einer Katze – gemacht wird nur, was sie will. Und wenn ihre Laune gerade „Spielen“ heißt, schreckt sie vor keiner noch so extravaganten Maßnahme zurück. So habe ich gelernt, dass die Katze apportieren kann: Schmeißt man das aktuelle Lieblings-Spielzeug möglichst weit weg und hofft, dass man damit auch die Katze los ist, bringt sie es zurück. Jedes. Verdammte. Mal.

Auch beliebt: Mit Seil im Maul auf den Sessel klettern, auf dem ich sitze, Seil auf meinem Kopf ablegen; sich neben das Spielzeug setzen, mit der Pfote draufdeuten und sehr laut „Rrrrrrreh!“ machen; oder einfach die verrückten fünf Minuten kriegen und mit buschigem Schwanz wie angestochen durch die ganze Wohnung und wieder zurück und wieder zurück und wieder zurück rasen. Bis man beim Sprung auf die Fensterbank mit großem Schwung fast vom Dach kippt und sich dann zum Hecheln unter die Palme legt. Während der menschenförmige Dosenöffner die verschobenen Teppiche, umgeworfenen Möbel und umgestoßenen Schüsseln wieder aufräumen darf.

 

Platz 2: Aufstehen. Aufstehen! AUFSTEHEN!

Bildschirmfoto 2015-08-13 um 14.25.34Wann hier geschlafen wird, ist streng geregelt: wenn Valentina schläft. Sonst nicht. In der üblen Phase der Hitzewelle habe ich das für eine erträgliche Regelung gehalten, denn: Schlafen war ja eh nur irgendwann zwischen 5 und 7 Uhr bei weit aufgerissenem Fenster möglich. Bis der Tag kam, an dem die erste frische Brise um 5 Uhr mir gerade wohliges und langersehntes Einschlafen bescherte – und außerdem eine Katze, die mir ihr Spielzeug ins Bett brachte. Und auf mir ablud. Eines nach dem anderen. Um sich daneben zu setzen, mit der Pfote draufzudeuten und „Rrrrrrreh!“ zu machen.

Dann gibt’s noch die Variante „Wecken mit minimalem Körpereinsatz“. Dazu braucht Katze von Welt nicht ein einziges Spielzeug, sondern setzt sich einfach auf das Kopfkissen neben den Menschenkopf und legt die Pfote auf. Vorsichtig auf die Stirn – keine Reaktion. Vorsichtig auf die Nase – keine Reaktion. Dann legt sie ihr Kinn auf der Menschenwange ab, atmet tief ein und mit einem langen Seufzen aus, so dass man schön Katzenatem in den Wimpern hat. Sieg für die Katze – die Nummer funktioniert wirklich immer.

 

Platz 1: Guck auf mich. Auf mich! AUF MICH!

Es war mein finsterster Moment in dieser Woche. Und obwohl ich gerne bereit bin, sehr viel von mir preiszugeben – warum ich an diesem Tag aufgelegt, mein Telefon weit weg gelegt und mich danach völlig fertig in den Sessel habe fallen lassen, werde ich ausnahmsweise mal für mich behalten. Saß ich da also so rum, unentschlossen, ob ich heulen oder brüllen soll, und starrte zum Fenster raus. Auftritt Valentina.

Sie schlendert Richtung Fenster in mein Sichtfeld, läuft mit den Vorderpfoten den Heizkörper unter der Fensterbank hinauf, macht mit den Hinterbeinen einen kleinen Sprung – und hängt jetzt der Länge nach am Heizkörper, an dem sie einen, zwei, drei, vier… etwa 20 Klimmzüge macht. Ganz entspannt, ganz ruhig, ganz routiniert. Fehlte nur noch, dass sie sich nach der Übung einen Vermerk im Fitnessplan macht. Eine plötzlich beginnende Jagd quer durchs Zimmer später hatte ich auch endlich begriffen, was das in Wahrheit war: der Versuch, eine Fliege auszuspähen, die auf der Fensterbank saß – und die sie nicht im Stehen beobachten konnte, weil sie dafür wenige Zentimeter zu klein ist. Was es außerdem war: die perfekte Ablenkung von meinem „Mimimimi“ – und ein Grund, mich dem Fundstück hier anzuschließen.

Bildschirmfoto 2015-08-13 um 14.48.00Das hat die Nichte meiner Mitbewohnerin verfasst, als sie bei einem ihrer täglichen Besuche hier oben im Katzenparadies Valentina einmal mehr mit Liebe überschütten wollte. Die war unauffindbar, und so hinterließ das Kind einen Brief neben dem Napf. Gemeinerweise ist Valentina übrigens immer 30 Sekunden nach dem Verschwinden des Kindes wieder da, verbiegt sich den Hals, um auch sicher zu gehen, dass hier keiner mehr stört. Und rast dann durch die Gegend. Oder schläft. Oder rrrrrrreh!t. Es wird eben gemacht, was die Katze will.

w3b1

Klugscheißerin, in einem früheren Leben Chefredakteurin und deshalb hier diejenige, die an allen Texten rumfingert. Und das, obwohl sie die Autoren persönlich angefleht hat, mitzumachen. Naja… Klugscheißerin, eben. Mehr Klugscheißerei gibt’s in den Referenzen.