Share Button

Ich bin das kleinste von drei Geschwistern und meine beiden Schwestern haben das mit der Reproduktion auch noch ganz schön ernstgenommen. Dreifache Tante bin ich bereits – und zwar eine ziemlich stolze. Ich liebe diese Zwerge. Es gibt nicht viel Schöneres als ein dreijähriges Kind, das freudestrahlend losrennt, wenn es einen entdeckt und dazu laut „TAAAANTEEE MIIIAAA“ brüllt. Hach.

 

ABER!

Heute habe ich das erste Mal einen ganzen Tag lang gebabysittet, ohne elterliche oder großelterliche Unterstützung. Meine Nichte ist dreieinhalb Jahre alt, kann sich ganz gut artikulieren und schon alleine aufs Klo gehen – Dinge, die man zu schätzen lernt, wenn man einen ganzen Tag lang Zwergendienst hat.

Mein Tag begann überraschend entspannt: Ich wurde erst halb acht geweckt. Ja, okay, da war die Oma noch da. Sie hat quasi die Frühschicht übernommen. Frühstück ging auch noch klar, da konnte ich mich noch mit meinem Zombie-Blick und „Kaffee! Kaffee!“-Gemurmel rausmogeln. Außerdem war das Kind mit Essen beschäftigt – mega!

Einfach immer irgendetwas in den Mund stopfen, dann ist es still, dachte ich da noch. Meine Nichte war leider nicht so leicht zu beschäftigen. Sie war einfach irgendwann satt. Mist. Was Neues ausdenken. Schnell! Ahhh! Malen geht immer! Denkste. Wird nämlich auch irgendwann langweilig.

 

Entschleunigung mal anders

Ich bin ein hektischer Mensch. Eigentlich kann mir immer alles nicht schnell genug gehen. Ich bin durchaus auch ungeduldig. Kleine Kinder allerdings sind sehr langsam. In allem. Ist ja auch total hipp gerade – dieser Slow-Kram. Und das Handy mal beiseite zu legen eh. Ob das nun aus freien Stücken geschieht oder weil man einfach nicht dazu kommt…

Was ich heute außerdem gelernt habe: Kind spielt mit Ton – alles ist voll mit Ton. Kind spielt mit Farbe – alles ist voll mit Farbe. Kind isst – alles ist voll mit Essen. Kind gießt sich was zu trinken ein – überall ist was, außer im Glas. Kind läuft mit nassen Füßen durch den Dreck – Dreck ist überall. Dreck ist irgendwie eh überall. Als würde der auf einmal magisch angezogen.

 

ICH. KANN. NICHT. MEHR.

Zu allem Überfluss waren heute auch noch 80 Grad im Schatten (mindestens!) – als hätte ich so nicht schon genug zu schwitzen gehabt. Selbst baden im großelterlichen Pool ist anstrengend, wenn man der Babysitter ist. Das Kind darf nicht mit dreckigen Füßen ins Wasser – da schimpft die Oma. Oder stellvertretend der Opa. Das Kind kommt nicht alleine in den Pool rein – der ist zu hoch. Das Kind möchte am Anfang getragen werden – das Wasser ist zu kalt. Das Kind darf nicht umfallen – kann nämlich nicht schwimmen und soll nicht untergluckern. Ist das Kind einmal abgesetzt, wird man durchgehend nass gespritzt. Natürlich die ganze Zeit schön ins Gesicht, es soll ja größtmöglicher Schaden verursacht werden. Kind fängt an zu frieren, will den Pool aber nicht verlassen, fängt an in schmerzhaften Frequenzen zu kreischen und dann zu heulen, wenn man es schnappt und einfach aus dem Pool aussteigt. Das Kind möchte dann natürlich auch den nassen Badeanzug nicht ausziehen. NATÜRLICH NICHT.

Vor zehn Minuten wurde das Kind von der Mutter abgeholt. Selbst nach meinem letzten zehn Kilometer Lauf – und ich bin wirklich unsportlich – war ich nicht so fertig wie jetzt. Ich sitze apathisch auf dem Sofa und tippe mit letzter Kraft diese Zeilen. Ich freue mich, ab morgen wieder normalfrequent sprechen zu können. Gleich werde ich vermutlich einschlafen. Es ist 19:00 Uhr.

 

QUOTES OF THE DAY!

Ich will mich ja aber nicht nur beschweren. Es war auch durchaus unterhaltsam mit der Nichte. Hier meine Top drei Kindersprüche des heutigen Tages:

Platz 3

„Die Frau hat ins Beet gemacht!“ Wer sich jetzt eine ältere Dame vorstellt, die kauernd in einem Beet steckt, um ihre Notdurft zu verrichten, dem sei versichert: LEIDER FALSCH! Mit „die Frau“ ist das neunjährige Nachbarsmädchen gemeint. Mit „ins Beet gemacht“ lediglich: „Sie hat den Ball ins Beet geschossen.“

Platz 2

Das Kind möchte die Oma mit einem Handtuch zudecken und kommentiert wissend „Du wirst jetzt gedeckt!“ Meine Mutti und ich schauen uns an und prusten los. Ich kann für die nächsten zehn Minuten nicht aufhören.

Platz 1

Das Kind soll eigentlich Mittagsschlaf machen. Nachdem ich bereits singen musste (Schneeflöckchen, Weißröckchen – mir ist einfach nichts anderes eingefallen!) und an alle anwesenden Kuscheltiere etliche Gute-Nacht-Küsse verteilt habe, verschwinde ich nach unten, um mich auch endlich dem Mittagessen zuzuwenden. Ich sitze gemütlich auf der Terrasse und atme das erste Mal an diesem Tag durch. Aber dann geht die Haustür auf. Wer steht da? Na klar, die Nichte. Nackig – der Windel hat sie sich bereits entledigt. „Ich habe gepullert und gekackert!“ sagt sie. Ich denke erst so „AHA! Wollen wir jetzt zusammen auf den Bus mit den Leuten warten?“ – sage dann aber schockiert: „In die Windel, hoffe ich?“

Kind sagt natürlich nein. NA KLAR! In meinem Kopf reihen sich Bilder aneinander, wie sie ins Bett der Oma gepullert UND gekackert hat und dann auch Bilder davon, wie ich das wegmachen darf und ich möchte weinen. Ich starte einen letzten Versuch und frage, ob sie ins Klo gepullert und gekackert hat – darauf folgt nur schwerverständliches Gemurmel.

Meine Befürchtungen erhärten sich, ich renne hektisch zum Klo und – ganz ehrlich? ICH HABE MICH NOCH NIE IN MEINEM LEBEN SO ÜBER EINE KACKWURST IN DER KLOSCHÜSSEL GEFREUT! Die Freude verfliegt allerdings schnell wieder, als mir die Nichte ihren Po entgegenstreckt. Ich bin jetzt also nicht nur Tante und Babysitter sondern auch Abwischer. Dafragstedichdoch.

Illustration: Gisela Gramsch

 

miezekind
Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur Pferde mit Partyhüten sind.
miezekind

Written by miezekind

Arbeiten, das ist… scheiße! Zumindest, wenn man sich von einem miesen Job zum nächsten hangelt. Deshalb: Neustart! Mal sehen, ob – und wenn ja wie – sich Arbeit irgendwie mit einem lebenswerten Dasein vereinbaren lässt. Leben. Ein Selbstversuch. Außerdem muss ja irgendjemand den Einhörnern mal sagen, dass sie auch nur...
Read more

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.