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Hi, ich bin Marc.

Ich heiße nicht wirklich so, aber hey – ich bin Marc. Vor einiger Zeit passierte mir etwas, das meine Welt ins Schwanken brachte. Mein kleiner Mikrokosmos zerbarst innerhalb von Sekundenbruchteilen. Zurück blieb die Hilflosigkeit, die Verzweiflung – mich durchfloß ein warmer Strom der Hoffnungslosigkeit – das Gefühl, an allem eine Mitschuld zu tragen. Niemandem mehr trauen zu können. Mein Leben – eine einzige Lüge?

Es war ein lauer Samstagnachmittag Anfang Mai in der Geburtsstadt des Neorechtspöbelismus. Der Balkonkifferling flötete ein leises „legalize!“ durchs lichtdurchflutete Blätterdach einer Stonereiche, während die nahe Autobahn das Geschehen mit einem schlaffen, durchdringenden Ton untermalte.

Ich bekam Hunger. Kurzer Kühlschrankcheck: Ja, das Thermometer hängt noch drin. Kurzer Gefrierfachcheck… und da war sie: Die Tiefkühlkost meiner Wahl, der Traum meiner Träume, der Siegfried für meinen Ronny – und vor allem das Einzige überhaupt auffind- und essbare….KAISERGEMÜSE!

Was dann geschah? Lest selbst. Hier mein Beschwerdebrief an Frenzel Tiefkühlkost:

 

Betrifft: Kaisergemüse

Sehr geehrte Damen und Herren,

beim Extrahieren einer Ihrer köstlichen Kryoerdfruchtmischungen aus ihrer sackartigen Erdölhülle fiel mir auf, dass gewisse Unterschiede zu den bisher von mir ausgeführten Extraktionshandlungen mit identischen, gefrosteten Feldfruchtsackmischungsprodukten aus Ihrem Hause bestanden (siehe beigefügte, elektronisch erstellte Realitätsabbildungen).
Die erwartete Trikolore aus Orange, Grün und Blumenkohlweiß trat auch nach mehrmaliger optischer sowie haptischer Packungsprüfung nicht ein. Meine Ehre war verletzt. Als geborener Ire mit indisch-ivorischen Wurzeln besteht doch jede der Landesflaggen, die meine Identität bedeuten, aus genau diesen Farben.
Eine verängstigte Karotte (3 Gramm – vermutlich sogar noch minderjährig!) wurde inmitten der Blumenkohlhorden (747 Gramm) postiert. Da Blumenkohl aber bekanntlicherweise bei zahlenmäßiger Überlegenheit zu carotischem Rassismus neigt, separierte ich das verstörte Karöttchen und hielt es für den Garvorgang in einem Teeei, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Monarchistische Kryoerdfruchtmischungen sollten ein Abbild unserer Gesellschaft sein: vielfältig, tolerant, unzerkocht. Die friedliche Koexistenz aller Gemüsesorten sollte uns zum Nachdenken anregen und unser menschliches Tun beeinflussen. Meine soziale Interaktion könnte durch diesen traumatischen Vorfall ernsthaften Schaden genommen haben. Darum folgende Fragen:

Sollte ich gezielt daran gehindert werden, Brokkoli und Karotten einzunehmen?
Wie passiert so etwas? Ist der Beutelinhalt nur verblasst?
Wie ist es möglich, dass die einzige Karotte (3 Gramm!) nach Brokkoli geschmeckt hat?

Ich fordere Sie hiermit auf, die fehlenden Sorten nachzureichen, um mein nur allzu menschliches Verlangen nach Karotten und Brokkoli zu befriedigen.

Mit freundlichen Grüßen,
Marc Saltberg

 

Bildschirmfoto 2015-08-07 um 17.06.10

Nach ein paar quälenden Tagen erreichte mich die Antwort von der wundervollen, anbetungswürdigen, fantastischen und mir nicht im geringsten Bekannten Tina Göhring aus dem Geschäftsbereich „nervige Kunden zufrieden stellen“:

Bildschirmfoto 2015-08-07 um 17.05.47

 

Und…was soll ich sagen: Ich bin zufrieden. Jetzt gehts ab ins Kaufland – mal richtig schön Karotten und Brokkoli shoppen.

Fotos: berwis / pixelio.de; privat
Marc Saltberg

Seine Freunde wünschen ihm zum Geburtstag „eine fette Taube, die dir schön auf den Latz scheißt, dazu leichte, aber bestimmte Rückenschmerzen und das Gefühl, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, aber von niemandem gemocht zu werden.“ Was ihm sonst noch Nachtschweiß auf die Haut treibt, verarbeitet er hier.