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In dieser Woche bewirbt sich Dresden einmal mehr mit Nachdruck um die Position „Real-Life-Schilda„. Das stark geschminkte (und mehr?) Gesicht dieser Bewegung: Regine Töberich, Architektin, Investorin und die Frau, die an der Elbe unbedingt Luxuswohnungen – Marina Garden – bauen möchte. Weil der Stadtrat nicht so spurt, wie sie das möchte, hat sie sich zunächst aufs Drohen verlegt: Sie würde dann demnächst das Stück des beliebten Elberadweges, das über ihr Grundstück verläuft, wegbaggern lassen. Hat sie auch gemacht: Am 7. Mai 2015, während der Stadtrat gerade eine Veränderungssperre für ihr Grundstück beschloss.

Ich konnte es nicht glauben und bin hingeradelt. Da war es allerdings schon vollbracht: Der Radweg endete kurz hinter einer Kurve im Schotter, ein Polizeiwagen kam gerade angerollt, aus dem ich durchs geöffnete Fenster mit „Machen Sie den Weg frei!“ angeblafft wurde. Welchen. Weg? Auf der gegenüberliegenden Seite bekam die wegwegbaggernde Frau, die so gerne „rot-rot-grün-versifft“ sagt, noch eine geklatscht – dann wars eigentlich vorbei.

Töberich

In meinem Kopf allerdings noch nicht ganz: Warum erinnert mich nicht nur die Wortwahl, sondern auch das Verhalten dieser Frau so sehr an Pegida? Vielleicht liegt es daran, dass auch hier der eigene Besitzstand (und seine Vergrößerung) über das Wohl anderer gestellt wird. Wie sich am nächsten Tag rausstellte, war es allerdings nicht mal der eigene Besitz: Regine Töberich hat sich auf der Karte vertan und das falsche Wegstück zerstört – nämlich eines, das der Stadt gehört. Da fragt man sich spontan: Was genau macht diese Architektin eigentlich beruflich?

Inzwischen ist der Weg wieder asphaltiert, Frau Töberich trägt die Kosten und „entschuldigt“ sich via Facebook. Anführungsstriche werden dank Aussagen wie dieser nötig: „So peinlich und bedauernswert der durch mich verursachte Fehler ist, bedauernswerter und peinlicher ist die Rot Rot Grüne Politik des Dresdner Stadtrates.“ Und wo wir gerade bei peinlich sind: Die Pegida-Kandidatin bei der Wahl des Oberbürgermeisters am 7. Juni 2015, Tatjana Festerling, hat sich dann direkt noch auf die Trümmer gestellt, um mit roten Boxhandschuhen für ein Wahlplakat zu posieren – „Kein Faustrecht in Dresden! Eigentümerrechte durchboxen“. Dazu kann und will ich echt nur noch Extra3 zitieren: „Intellektuelles Zölibat„.

Kurz zusammengefasst: Eine reiche Frau schreit „Mimimimimi„, um noch reicher zu werden – und bringt mit nur einer miserabel geplanten Baggeraktion die halbe Stadt gegen sich auf. Immerhin: Effizient!

Foto: Jay Mantri / jaymantri.com
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Klugscheißerin, in einem früheren Leben Chefredakteurin und deshalb hier diejenige, die an allen Texten rumfingert. Und das, obwohl sie die Autoren persönlich angefleht hat, mitzumachen. Naja… Klugscheißerin, eben. Mehr Klugscheißerei gibt’s in den Referenzen.